Seit Jahrhunderten gilt Freitag, der 13. in der modernen Welt als Unglückstag. Doch blickt man weiter zurück – vor die Zeit der Christianisierung – offenbart sich ein ganz anderes Bild. In der nordischen Mythologie war dieser Tag keineswegs mit Angst oder Pech verbunden, sondern mit Macht, Weiblichkeit, Fruchtbarkeit und Liebe. Im Zentrum dieser alten Symbolik steht eine der bedeutendsten Göttinnen des Nordens: Freyja.
Der Freitag – Tag der Göttin
Der Name „Freitag“ leitet sich sprachlich vom altnordischen Frjádagr ab – dem Tag der Freyja (oder Frigg, mit der sie in späteren Quellen teilweise verschmolz). Freyja war die Göttin der Liebe, der Sinnlichkeit, der Fruchtbarkeit, aber auch der Magie und der Seelenreise. Sie war keine passive Gottheit, sondern eine mächtige, eigenständige Figur, die sowohl Leben als auch Tod begleitete.
Der Freitag galt daher als heiliger Tag der Göttin, ein Tag für Rituale, für Verbindung, für bewusste Entscheidungen des Herzens. Es war ein Tag, an dem Schleier dünner wurden – zwischen Mensch und Natur, zwischen Diesseits und Jenseits.
Die Zahl 13 – mehr als nur eine Zahl
Auch die Zahl 13 trug in vorchristlichen Kulturen eine tiefgreifende Bedeutung. Sie war eng mit dem Mond verbunden: Ein Jahr umfasst etwa 13 Mondzyklen, und der Mond wiederum stand symbolisch für das Weibliche, für Zyklen, Wandlung und Erneuerung.
In nordischen und anderen alten Traditionen galt die 13 als Zahl der Göttin, als Zahl des Lebensrhythmus, der Fruchtbarkeit und der Transformation. Sie symbolisierte nicht Chaos, sondern Vollständigkeit jenseits der starren Ordnung.
Die spätere Abwertung der 13 geschah erst mit der Etablierung patriarchaler Strukturen, die alles Weibliche, Zyklische und Intuitive zunehmend verdrängten.
Freitag, der 13. – ein geöffnetes Portal?
In spirituellen Deutungen wird Freitag, der 13., oft als eine Zeit besonderer energetischer Dichte beschrieben. Wenn der Tag der Göttin (Freitag) auf die Zahl der weiblichen Zyklen (13) trifft, entsteht symbolisch ein Moment, in dem sich ein „Portal“ öffnet – kein physisches Tor, sondern ein innerer Raum.
Ein Raum für:
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Rückverbindung mit der eigenen Intuition
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Heilung alter Verletzungen
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bewusste Entscheidungen aus dem Herzen
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Verbindung mit der ursprünglichen weiblichen Kraft
In dieser Sichtweise ist Freitag, der 13., kein Tag des Unglücks, sondern ein Tag der Erinnerung: an das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften, an die Weisheit der Natur und an die Macht der inneren Stimme.
Warum wurde diese Bedeutung verdrängt?
Mit der Christianisierung Europas wurden alte Göttinnenkulte systematisch umgedeutet. Freyja, einst verehrt, wurde zur „gefährlichen Verführerin“. Ihre Tage verloren ihren heiligen Charakter, und Symbole weiblicher Macht wurden mit Angst belegt.
So wurde aus einem Tag der Göttin ein Tag des „Unglücks“ – nicht durch Erfahrung, sondern durch kulturelle Umdeutung.
Eine Einladung zur Neubewertung
Heute, in einer Zeit des Umbruchs, wenden sich viele Menschen wieder alten Symbolen zu – nicht aus Nostalgie, sondern aus dem Wunsch nach Ganzheit. Freitag, der 13., kann als Einladung verstanden werden: innezuhalten, zu fühlen, loszulassen und sich zu erinnern, dass Macht nicht immer laut ist – manchmal ist sie leise, zyklisch und tief verbunden mit dem Leben selbst.
Vielleicht war dieser Tag nie ein Fluch.
Vielleicht war er immer ein Schlüssel.











