Sie ernten, was andere säen: In Ostafrika bedrohen riesige Heuschreckenschwärme die Existenzen von Millionen von Menschen. Besonders dramatisch: In den betroffenen Ländern ist die Nahrungsmittelversorgung bereits kritisch – die Welternährungsorganisation FAO warnt vor Hungersnöten durch die Heuschreckenplage, welches auch noch nie dagewesene Flüchtlingsströme von Afrika nach Europa hervorrufen könnte.

 

Wüstenheuschrecken dringen in ganz Afrika ein fallen über das Getreide her, und die Betroffenen rufen nach internationaler Hilfe, so heißt es in einem neuen Bericht.

Eine Frau steht auf dem Feld, um sie herum schwirren Heuschrecken. © FAO

Der jüngste Ausbruch von Wüstenheuschrecken ist laut Associated Press der schlimmste Befall in Kenia seit 70 Jahren. Die Insekten überschwemmen das Land von Äthiopien und Somalia aus und hinterlassen zerstörtes Ackerland in einem Teil der Welt, der ohnehin bereits unter Hunger, Dürre und Überschwemmungen leidet, heißt es in der Warnung seitens der Vereinten Nationen.

 

“Wir müssen sofort handeln”, sagt David Phiri von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

 

“Dies ist zu einer Situation von internationaler Dimension geworden, welche die Stabilität der Nahrungsversorgung in der gesamten Subregion gefährdet. Die FAO aktiviert Sofortmaßnahmen, die es uns ermöglichen, die Regierungen rasch bei der Durchführung einer kollektiven Kampagne zur Bewältigung dieser Krise zu unterstützen”, sagte FAO-Generaldirektor QU Dongyu Anfang dieser Woche in einer Erklärung.

 

Phiri rief zu Hilfe auf, um “jegliche Bedrohung für die Ernährungssicherheit, den Lebensunterhalt und die Gefahr von Unterernährung abzuwenden”.

Einem FAO-Merkblatt zufolge könnte ein Heuschreckenschwarm der Größe von Paris an einem einzigen Tag die gleiche Menge an Nahrung zu sich nehmen wie die Hälfte der Bevölkerung Frankreichs. Die UNO gibt an, dass selbst ein kleiner Heuschreckenschwarm an einem Tag genug Nahrung für 35.000 Menschen fressen und mehr als 150 Kilometer zurücklegen kann.

Die FAO schätzt, dass ein Schwarm in Kenia etwa 930 Quadratmeilen groß ist, was darauf hindeutet, dass er bis zu 200 Milliarden Heuschrecken umfassen könnte.

Äthiopien, Kenia und Somalia haben alle mit “beispiellosen” und “verheerenden” Schwärmen dieser Insekten zu kämpfen, so die FAO. Und die Heuschrecken fressen nicht nur Getreide, sondern stören nach Angaben der Behörde auch Nutztiere und landwirtschaftliche Grundbetriebe.

Darüber hinaus können die Heuschrecken Passagierflugzeuge in der Region stören und haben dies möglicherweise bereits getan. Tatsächlich musste Anfang dieses Monats ein Flug von Ethiopian Airlines von Dschibuti nach Dire Dawa eine Notlandung durchführen, nachdem die Insekten mit dem Flugzeug kollidiert waren. Ein Bericht besagt, dass die Heuschrecken sich im Motor verfangen und andere die Windschutzscheibe des Flugzeugs getroffen hatten.

Die Vereinten Nationen schlugen einen sechsmonatigen Notfallplan vor, dessen Kosten auf 70 Millionen US-Dollar geschätzt werden. Die Kosten beinhalten das Versprühen von Pestiziden aus der Luft, was ihrer Meinung nach der einzig wirksame Weg ist, um die Insekten zu bekämpfen. Dies ist jedoch keine leichte Aufgabe, insbesondere in Somalia, wo Teile des Landes von der mit al-Qaida in Verbindung stehenden al-Shabab-Extremistengruppe kontrolliert werden und der Luftraum somit nicht sicher ist.

 

Die FAO äußerte die Befürchtung, dass die Schwärme bis Juni dieses Jahres auf das 500-fache anwachsen könnten, wenn das Problem bis zum jahreszeitlichen Wachstum neuer Vegetation nicht gelöst wird. Wird der Befall nicht bekämpft, so warnt die Behörde, sind auch der Südsudan und Uganda gefährdet.

Äthiopien und Somalia sind seit 25 Jahren keinem Befall in dieser Größenordnung ausgesetzt, während Kenia seit 70 Jahren keine solche Heuschreckenbedrohung mehr erlebt hat, teilte die FAO Anfang dieser Woche mit.

 

Im November letzten Jahres rief Äthiopien zum sofortigen Handeln auf, um das Problem in vier von neun seiner Bundesstaaten zu lösen.

Im nördlichen Bundesstaat Amhara haben einige Landwirte “fast 100%” der Ernte Ihres wichtigste Getreides verloren, so die FAO. Die FAO schätzt, dass die Insekten 1,8 Millionen Tonnen Vegetation pro Tag auf einer Fläche von 135 Quadratmeilen in Äthiopien fraßen.

 

“Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schädlinge und die Größe des Befalls liegen so weit über der Norm, dass sie die Kapazitäten der lokalen und nationalen Gebietskörperschaften an ihre Grenzen bringen”, erläuterte die FAO.

Außer in Ostafrika brüten Heuschrecken auch in Indien, Iran, Ägypten, Sudan, Eritrea, Saudi-Arabien, Jemen und Pakistan, wo sie sich im Frühjahr in riesige Schwärme verwandeln könnten. Man geht davon aus, dass die Heuschrecken in Ostafrika im vergangenen August aus dem Jemen gekommen und über das Rote Meer gereist sind.

Der ungewöhnlich starke Regen, der kürzlich die Region getroffen hat, könnte laut Accuweather ebenfalls ein Faktor für das Bilden dieser Schwärme sein. Wärmere Temperaturen können im Zusammenhang mit Wüstenheuschreckenschwärmen ebenfalls eine Rolle spielen.

Eine Spenderkonferenz in Rom nächste Woche wird ersucht werden, 70 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Wüstenheuschreckenplage zuzusagen, die dort droht, wo bereits zig Millionen Menschen unter extremem Hunger zu leiden haben. Laut Jens Laerke, dem Sprecher des Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, hat die UNO bisher 10 Millionen US-Dollar aus ihrem zentralen Nothilfefonds zur Bekämpfung der Insekteninvasion freigegeben.

 

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