Wenn wir an Meerrettich denken, denken wir fast automatisch an seine scharfe, aromatische Wurzel. Doch ein anderer Teil der Pflanze landet erstaunlich oft unbeachtet auf dem Kompost: die großen grünen Blätter.
Dabei sind junge Meerrettichblätter essbar und können eine spannende Bereicherung für die Küche sein. Sie liefern verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe – und besitzen den typisch würzigen Charakter der Kreuzblütler.
🌿 Was macht Meerrettichblätter so interessant?
Meerrettich gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist damit unter anderem mit Senf, Kohl, Brokkoli und Kresse verwandt.
Besonders interessant sind die enthaltenen Glucosinolate. Werden Pflanzenzellen beim Schneiden oder Kauen beschädigt, können daraus verschiedene Senföle entstehen. Genau diese Stoffe sind auch für einen Teil des charakteristischen scharfen Aromas verantwortlich.
Darüber hinaus liefern die Blätter unter anderem Vitamin C und verschiedene Mineralstoffe, wobei die tatsächlichen Mengen von Alter, Standort und Wachstumsbedingungen abhängen.
🛡️ Antioxidative Pflanzenstoffe
Vitamin C und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe können zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress beitragen.
Gerade deshalb stehen Kreuzblütler seit Jahren im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse wird mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht.
Meerrettichblätter können dabei eine ungewöhnliche Ergänzung des Speiseplans darstellen.
🦠 Senföle und ihre besondere Wirkung
Eine der spannendsten Eigenschaften von Meerrettich sind seine Senföle.
Bestimmte daraus entstehende Verbindungen zeigen in Laboruntersuchungen antimikrobielle Eigenschaften. Besonders die Meerrettichwurzel ist deshalb Bestandteil traditioneller und pflanzlicher Anwendungen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Verzehr der Blätter bakterielle Infektionen behandeln oder Antibiotika ersetzen kann.
🫁 Traditionell mit den Atemwegen verbunden
Der intensive Geruch von Meerrettich ist jedem bekannt, der schon einmal eine frische Wurzel gerieben hat: Innerhalb weniger Sekunden beginnen Nase und Augen zu reagieren.
Traditionell wird Meerrettich deshalb besonders während der Erkältungszeit geschätzt.
Auch die Blätter besitzen aromatische Senfverbindungen, wenngleich normalerweise weniger intensiv als die Wurzel. In der Volksheilkunde werden Meerrettichzubereitungen seit Langem mit Atemwegen und Erkältungsbeschwerden in Verbindung gebracht.
❤️ Mineralstoffe, Verdauung und Ernährung
Meerrettichblätter liefern außerdem Ballaststoffe und Mineralstoffe wie Kalium, Calcium und Magnesium.
Ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel unterstützen eine normale Verdauung und tragen zur Sättigung bei. Kalium wiederum spielt eine wichtige Rolle für die normale Funktion von Muskeln und Nervensystem sowie für die Regulation des Blutdrucks.
Die Blätter sind deshalb weniger ein „Wundermittel“ als vielmehr ein interessantes, nährstoffreiches Blattgemüse.
🥗 Junge Blätter direkt in den Salat
Besonders junge und zarte Meerrettichblätter können fein geschnitten in Salaten verwendet werden.
Ihr Geschmack erinnert etwas an Senfgrün, Rucola und Meerrettich. Weil das Aroma durchaus kräftig werden kann, empfiehlt es sich, zunächst nur eine kleine Menge mit milderen Blattsalaten zu kombinieren.
Ein wenig Zitronensaft, Olivenöl und eine leichte Süße passen hervorragend dazu.
🍲 Kochen macht sie milder
Größere Blätter können gekocht, gedünstet oder kurz angebraten werden.
Sie eignen sich beispielsweise für:
Suppen, Eintöpfe, Gemüsepfannen, Füllungen, Omeletts oder herzhafte Aufläufe.
Beim Erhitzen verändert sich das scharfe Aroma und wird häufig deutlich milder.
Große, intakte Blätter können sogar ähnlich wie Kohlblätter verwendet und mit Gemüse, Reis oder Fleisch gefüllt werden.

🌱 Meerrettich-Pesto – außergewöhnlich würzig
Eine besonders interessante Verwendung ist ein grünes Pesto.
Junge Meerrettichblätter können beispielsweise mit Nüssen oder Kernen, etwas Hartkäse, Öl und Zitronensaft verarbeitet werden.
Das Ergebnis ist wesentlich würziger als klassisches Basilikumpesto und passt hervorragend zu Kartoffeln, Pasta, Sandwiches oder gegrilltem Gemüse.
❄️ So lassen sich die Blätter konservieren
Wer im Garten viel Meerrettich besitzt, muss die Blätter nicht wegwerfen.
Sie können kurz blanchiert, in kaltem Wasser abgeschreckt und anschließend portionsweise eingefroren werden.
Eine weitere Möglichkeit ist das schonende Trocknen. Vollständig getrocknete Blätter können fein zermahlen und in kleinen Mengen als würziges grünes Gewürzpulver verwendet werden.
⚠️ Nicht unbegrenzt essen
Auch bei natürlichen Lebensmitteln gilt: Mehr bedeutet nicht automatisch besser.
Größere Mengen roher Meerrettichblätter können aufgrund ihrer scharfen Inhaltsstoffe bei empfindlichen Menschen den Magen-Darm-Trakt reizen. Wer empfindlich auf scharfe Lebensmittel oder Kreuzblütler reagiert, sollte daher zunächst kleine Mengen probieren.
Bei bestehenden Erkrankungen oder wenn Meerrettich gezielt medizinisch eingesetzt werden soll, ist eine fachliche Beratung sinnvoll.
Ein unterschätztes Gemüse direkt vor unserer Haustür
Meerrettichblätter sind ein schönes Beispiel dafür, wie viele wertvolle Pflanzenteile wir normalerweise übersehen.
Sie besitzen ein kräftiges Aroma, liefern verschiedene Nährstoffe und enthalten die für Kreuzblütler charakteristischen Pflanzenstoffe. Gleichzeitig lassen sie sich erstaunlich vielseitig einsetzen – vom Salat über Suppen und Gemüsepfannen bis hin zu würzigem Pesto.
Wer Meerrettich im eigenen Garten hat, sollte deshalb beim nächsten Mal nicht nur die Wurzel betrachten.
Denn manchmal wächst der interessanteste Teil einer Pflanze genau dort, wo wir ihn bisher gar nicht gesucht haben.











