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Wenn im Herbst die Quitten an den Bäumen goldgelb werden und ihr intensiver Duft an Apfel, Birne, Zitrone und einen Hauch Vanille erinnert, beginnt die perfekte Zeit für ein beinahe vergessenes Hausrezept: selbst gemachten Quittenlikör.

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Früher gehörte das Einlegen und Ansetzen von Früchten in vielen europäischen Haushalten ganz selbstverständlich zum Herbst. Marmeladen wurden gekocht, Früchte getrocknet und aus einem Teil der Ernte aromatische Liköre angesetzt, die erst Wochen oder Monate später geöffnet wurden.

Gerade die Quitte eignet sich dafür hervorragend. Roh ist sie hart, herb und kaum genießbar – doch zusammen mit Zucker, Gewürzen und einer neutralen Spirituose verwandelt sie sich langsam in einen goldfarbenen, intensiv duftenden Herbstlikör.

Und das Beste daran: Die eigentliche Arbeit erledigt die Zeit.

🍐 Warum gerade Quitten?

Die Quitte ist eine ungewöhnliche Frucht. Schon eine einzige reife Frucht kann einen ganzen Raum mit ihrem charakteristischen Duft erfüllen.

Genau dieses Aroma möchten wir im Likör einfangen.

Während der mehrwöchigen Reifezeit löst der Alkohol zahlreiche Aromastoffe aus der Frucht. Gleichzeitig nimmt die Flüssigkeit nach und nach eine wunderschöne goldgelbe bis bernsteinfarbene Tönung an.

Der Zucker wiederum mildert die natürliche Säure und die ausgeprägte Adstringenz der Quitte.

Das Ergebnis ist ein Likör, der gleichzeitig fruchtig, süß, leicht herb und wunderbar aromatisch sein kann.

Mit etwas Zimt und Nelke bekommt er zusätzlich jene warme Gewürznote, die hervorragend zu Herbst und Winter passt.


🍶 Traditioneller Quittenlikör – das Rezept

Zutaten für etwa 1–1,3 Liter

  • 3 große, vollreife Quitten
  • 250–350 g weißer Zucker
  • 750 ml Wodka oder Korn (ca. 38–40 % vol.)
  • 1 Zimtstange
  • 2–3 Gewürznelken
  • optional: etwas unbehandelte Zitronen- oder Orangenschale

Wer einen weniger süßen Likör bevorzugt, beginnt mit etwa 250 Gramm Zucker. Nach der Reifezeit lässt sich die Süße noch anpassen.

1. Die richtigen Quitten auswählen

Verwenden Sie möglichst vollreife, intensiv duftende und gelbe Quitten.

Der feine Flaum auf der Schale sollte unter fließendem Wasser gründlich abgerieben werden.

Die Quitten müssen nicht geschält werden. Gerade die Schale trägt wesentlich zum typischen Aroma bei.

Beschädigte oder faulige Stellen werden großzügig entfernt.

2. Kerngehäuse entfernen

Nun werden die Quitten geviertelt.

Das harte Kerngehäuse sowie die Kerne vollständig herausschneiden. Anschließend das Fruchtfleisch entweder grob raspeln oder in sehr kleine Stücke schneiden.

Das Raspeln hat einen Vorteil: Dadurch entsteht eine deutlich größere Oberfläche, über die der Alkohol die Aromastoffe aufnehmen kann.

3. Quitten und Zucker ins Glas geben

Ein großes Einmachglas gründlich reinigen und trocknen.

Nun abwechselnd eine Schicht geriebene Quitten und etwas Zucker hineingeben.

Anschließend kommen Zimtstange und Nelken hinzu.

Wer es etwas frischer mag, kann zusätzlich ein kleines Stück dünn abgeschälte Zitronen- oder Orangenschale verwenden. Dabei möglichst wenig von der weißen, bitteren Schicht unter der Schale mitnehmen.

4. Jetzt kommt der Alkohol

Die Quitten vollständig mit Wodka oder Korn übergießen.

Wichtig ist, dass die Früchte möglichst vollständig von Flüssigkeit bedeckt bleiben.

Anschließend das Glas fest verschließen.

Und nun beginnt der vielleicht schönste Teil dieses alten Rezeptes:

Warten.

⏳ Sechs bis acht Wochen Geduld

Das verschlossene Glas kommt an einen kühlen und dunklen Ort.

Während der ersten zwei Wochen sollte es alle zwei bis drei Tage vorsichtig geschwenkt werden. Dadurch löst sich der Zucker gleichmäßiger.

Danach kann der Ansatz weitgehend in Ruhe gelassen werden.

Nach und nach verändert sich seine Farbe. Aus einer zunächst relativ unscheinbaren Flüssigkeit entsteht ein wunderschöner goldener bis bernsteinfarbener Likör.

Nach etwa sechs bis acht Wochen kann probiert werden.

Wer ein noch intensiveres Aroma möchte, lässt ihn etwas länger ziehen.

✨ Abseihen – und plötzlich wird daraus flüssiges Gold

Jetzt wird der gesamte Ansatz durch ein sehr feines Sieb oder ein sauberes Passiertuch gegossen.

Wer einen besonders klaren Likör möchte, sollte die Flüssigkeit anschließend noch einmal durch einen Kaffeefilter laufen lassen. Das dauert zwar etwas länger, sorgt aber für eine wunderschöne Klarheit.

Danach kommt der Quittenlikör in saubere Glasflaschen.

Theoretisch könnte man ihn jetzt bereits trinken.

Doch Geduld lohnt sich ein zweites Mal.

🍂 Nach einigen Wochen schmeckt er noch besser

Lässt man den abgefüllten Likör weitere vier bis acht Wochen an einem dunklen Ort ruhen, verbinden sich Frucht, Alkohol, Zucker und Gewürze noch harmonischer.

Die zunächst etwas kantige Alkoholnote wird milder und das Quittenaroma tritt stärker hervor.

Wer im Oktober Quitten ansetzt, kann deshalb einen wunderbar gereiften Winter- oder Weihnachtslikör erhalten.

🥃 Wie trinkt man Quittenlikör?

Am besten wird er in kleinen Gläsern bei Zimmertemperatur oder leicht gekühlt serviert.

Er passt hervorragend zu Käse, Nüssen, Apfel- und Birnendesserts, Weihnachtsgebäck oder einem Stück dunkler Schokolade.

Ein kleiner Schuss kann außerdem Desserts, Obstsalat oder sogar ein Glas Sekt verfeinern.

Und natürlich eignet sich eine hübsche Flasche selbst gemachten Quittenlikör wunderbar als persönliches Geschenk.

🌳 Ein Glas Herbst für den Winter

Vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz dieses alten Rezeptes.

Es braucht keine komplizierten Geräte und keine exotischen Zutaten. Man benötigt lediglich Quitten, Zucker, Alkohol – und Zeit.

Während draußen die Blätter fallen und der Winter näher rückt, steht irgendwo im dunklen Schrank ein unscheinbares Glas.

Woche für Woche verändert sich darin etwas.

Die Quitten geben ihren Duft und ihre Farbe ab, die Gewürze entfalten ihr Aroma und aus wenigen einfachen Zutaten entsteht langsam ein goldener Likör, der nach Herbst duftet.

Vielleicht haben unsere Großeltern deshalb solche Rezepte so sehr geschätzt.

Nicht alles Gute muss schnell gehen. 🍐🍂🥃

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