Es war schön, dieses leise Gemurmel des Bächleins neulich bei einem Spaziergang im Wald, so schön, dass Renate Cervinka es aufgenommen hat, mit ihrem Smartphone. Manchmal, wenn sie sehr unter Druck steht, geht sie allein eine Runde in der Natur, läuft durch die Weinberge nebenan oder durch ein Wäldchen.

 

Das macht sie ruhiger und ausgeglichener. Deswegen hat sie das Murmeln des Waldbachs jetzt auch mit nach Hause genommen. Entspannung aus der Dose, sozusagen.

Die Deutschen fühlen sich tief mit ihrem Wald verbunden. Er gilt als Ort der Sehnsucht und der Kontemplation. Seit dem vergangenen Sommer steht das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ des Försters Peter Wohlleben unverändert an der Spitze der Bestsellerlisten für Sachbücher, es wird gekauft und gekauft.

Der leise, dunkle Wald: Er verspricht Ruhe, Genesung, inneren Frieden. Und er bietet all das tatsächlich auch, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen konnten. Der Wald lindert Stress, stärkt das Immunsystem und hebt das Selbstwertgefühl – und zwar schon innerhalb kürzester Zeit.

Aber auch andere Landschaften wie das Meer oder die Berge machen die Seele zuverlässig leichter. Allerdings hilft nicht jede natürliche Umgebung jedem in gleichem Maße dabei, abzuschalten. Wer sich wo entspannt, das hängt entscheidend von der eigenen Persönlichkeit ab.

 

FÜNF MINUTEN REICHEN SCHON, UM AUFZUTANKEN!

Dass der Wald Renate Cervinka in stressigen Zeiten guttut, fühlt sie nicht nur, sie weiß es auch aus ihren eigenen Untersuchungen. Zusammen mit Kollegen hat die Umweltpsychologin von der Universität Wien herausgefunden, dass der Wald die physische ebenso wie die psychische Gesundheit von Menschen stärkt: Wenn man im Wald spazieren geht, schlägt das Herz messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich.Anzeige

Gleichzeitig werden Angespanntheit, Stress und Erschöpfung verscheucht, und positive Gefühle erscheinen größer und wichtiger als jene, die einen eher zermürben. Dafür muss man nicht unbedingt eine ganze Stunde durch den Wald wandern. Denn der Entspannungseffekt kommt ziemlich schnell, wie Forscher um Jo Barton von der University of Essex in einer Analyse herausgefunden haben.

Nur fünf Minuten beim Gärtnern, Spazierengehen oder Angeln braucht es, bis die Stimmung deutlich besser und das Selbstwertgefühl erhöht wird – am meisten bei jenen, die chronisch unter Stress stehen.

Und am stärksten ist der entspannende Effekt, wenn die Zeit im Grünen in der Nähe von Wasser verbracht wird. So wie Renate Cervinka an ihrem Waldbächlein.

Stimmung und Selbstwertgefühl sind für Psychologen und Mediziner wichtige Indikatoren für die psychische und körperliche Gesundheit. Denn beides beeinflusst nicht nur das momentane Glücksempfinden, sondern auch die Fähigkeit, mit belastenden und stressigen Ereignissen umzugehen, die sogenannte Resilienz.

Zwar profitierten alle Teilnehmer von einem Kurzausflug in die Natur, der Effekt auf das Selbstwertgefühl aber war vor allem in der Gruppe der jüngeren Erwachsenen ausgeprägt, während der auf die Stimmung vor allem für jene im mittleren Erwachsenenalter stark war – also für jene, die unter der stärksten privaten und beruflichen Belastung standen.

 

 

BÄUME IN DER UMGEBUNG HELFEN BEI HEILUNGSPROZESSEN!

Grüne Bäume stärken aber nicht nur die seelische Widerstandskraft, sondern auch die körperliche: Sie haben einen direkten Einfluss auf das Immunsystem. Schon im Jahr 1984 hatte der Gesundheitswissenschaftler Roger Ulrich in einer Studiebeobachtet, dass bei Patienten, die nach einer Gallenblasenoperation einen Baum vor ihrem Krankenhausfenster stehen hatten, Wunden schneller heilten und sie früher nach Hause entlassen werden konnten.

Auch brauchten sie im Schnitt weniger Schmerzmittel als die Patienten, die keinen Baum vor dem Fenster hatten. In einer späteren Studie zeigte der Mediziner Qing Linach einer Analyse von Gesundheitsdaten der gesamten japanischen Bevölkerung, dass in Waldgebieten deutlich weniger Menschen an einer Krebserkrankung sterben als in unbewaldeten Gebieten – und das, nachdem viele andere mögliche Einflussfaktoren auf das Sterberisiko herausgerechnet worden waren.

Der Umweltpsychologe Marc Berman von der University of Chicago veröffentlichte im vergangenen Jahr im renommierten Wissenschaftsjournal „Nature“ eine weitere interessante Untersuchung. Er glich die Baumdichte innerhalb Torontos mit den Gesundheitsdaten der Bewohner ab. Das Ergebnis: Je mehr Bäume in einer Wohngegend stehen, desto niedriger war das Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln, etwa Bluthochdruck oder Diabetes.

Zehn zusätzliche Bäume um den Block machten die Bewohner dort medizinisch gesehen sieben Jahre jünger. Forschern der Nippon Medical School in Tokio ist es gelungen zu zeigen, woher dieser starke Effekt auf das Immunsystem kommt: Ein ganzer Tag in einem Waldgebiet führt ihnen zufolge dazu, dass die Anzahl der Killerzellen im Blut um 50 Prozent ansteigt – und gut eine Woche so bleibt.

 

IN DER NATUR MUSS MAN NICHT STÄNDIG REIZE ABWEHREN!

Killerzellen sind Zellen des Immunsystems, die kranke oder infizierte Körperzellen erkennen und zerstören. Die Wissenschaftler sahen in Laborversuchen auch, dass die Killerzellen durch sogenannte Phytonzyden angeregt wurden: Substanzen, die Bäume bilden, um sich selbst vor Krankheitserregern zu schützen. Wer im Wald herumspaziert, profitiert also davon.

Warum psychologisch gesehen aber nicht nur der Wald, sondern jede natürliche Umgebung eine entspannende Wirkung hat, erklären die Psychologen Rachel und Stephen Kaplan mit der sogenannten „Attention Restoration Theory“. Sie glauben, dass die vielen Reize, denen Menschen vor allem in der Stadt ständig ausgesetzt sind – Sirenen, Baustellenfahrzeuge und ein lärmender Nachbar, zum großen Teil abgewehrt werden müssen, weil sie nicht wichtig für die eigene derzeitige Situation sind.

 

Liebe ist nicht das was man erwartet zu bekommen, sondern das was man bereit ist zu geben.

 

1 COMMENT

  1. Die Natur und der Wald sind außerordentlich wichtig. Das habe ich immer gefühlt und gewusst, denn ich bin auf dem Land groß geworden. Mein Vater hat immer gesagt: “Beobachte die Tiere und die Natur,, und du wirst von selbst viele Antworten auf deine Fragen erhalten.” In Brandenburg und Umgebung gibt es viele Kiefernwälder. Oft, sehr oft bin ich in den Wald gegangen, um im Sommer den harzigen Duft der Bäume und im Winter die kalte Winterluft zu genießen. Der Wald hat mir immer viel gegeben. Jetzt hier in Ungarn gehe ich auch gern in den Wald oder wenigstens ins Arboretum. Die oben beschriebene Wirkung kenne ich aus Erfahrung.

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