Sie kommen als sogenannte Pflanzenschutzmittel daher, doch sind in Wahrheit hochgradig giftig. In der EU werden Pestizide eingesetzt, die massiv gesundheitsschädlich sind. Für die Bürger ist das der Tod auf Raten, doch kümmern tut es kaum jemanden in der Politik. Im Gegenteil: Die Zulassung von hochgiftigen Substanzen als Pflanzenschutzmittel wird regelmäßig sogar noch verlängert.

 

Ulrich Elixmann ist ein Opfer der EU. Mit gerade einmal 58 Jahren ist Elixmann Frührentner. Grund ist eine Parkinsonerkrankung. Doch die kam nicht einfach so. Der frühere Beruf des heutigen Erwerbsunfähigkeitsrentners hat ihn krank gemacht. Elixmann arbeitete 40 Jahre lang als Gärtner.

 

Währenddessen war Elixmann stets und ständig mit Pestiziden in Kontakt. Man sagte ihm seinerzeit, das sei alles ungefährlich. Und er glaubte es. Heute weiß er, dass jene Pestizide, die seiner Aussage nach sogar einige Kollegen mit der Hand angerührt hätten, ihn krank gemacht haben. Sein Verdacht, dass die Pflanzenschutzmittel, mit denen er in Berührung kam, für seine Parkinson-Erkrankung verantwortlich sind, werden von Studien der University of California in Los Angeles bestätigt. Hier wurden Pflanzenschutzmittel untersucht, mit denen auch der Ex-Gärtner in Kontakt war.

 

Die Vorstellung, dass derartige Stoffe bei Nahrungsmitteln zur Anwendung gebracht werden, die tagtäglich auf unseren Tellern landen, ist erschreckend. Doch noch erschreckender ist, dass der Einsatz dieser toxischen Substanzen in der EU nicht unterbunden wird. Möglich macht dies eine Ausnahmeregelung der EU-Pflanzenschutzmittelverordnung.

 

Eigentlich hätte der Wirkstoff, der ursächlich für Elixmanns Parkinson-Erkrankung ist, längst vom Markt genommen werden müssen, da die Zulassung abgelaufen war. Pikant: Im Januar dieses Jahres wurde ebendiese Zulassung einfach verlängert. Und zwar ohne neuerliche Prüfung des Pestizids. Der Grund dafür ist mehr als skurril: Nach der bereits erwähnten Ausnahmeregelung darf der Genehmigungszeitraum eines Wirkstoffes verlängert werden, wenn Gründe vorliegen, die „der Antragsteller nicht zu vertreten hat.“ Mit anderen Worten: Wenn die Prüfung eines Stoffes zu lange dauert, bekommt der Stoff eine Ausnahmeverlängerung.

 

Im vorliegenden Fall ist genau dies passiert und somit können die EU-Bürger weiter mit dem hochtoxischen Präparat vergiftet werden. Besonders erschreckend: Nach Recherchen des ARD-Magazins Monitor bekommt in der EU mittlerweile beinahe jedes vierte Pflanzenschutzmittel eine solche Ausnahmeverlängerung. 112 von insgesamt 489 Stoffen sind demnach aktuell ohne die eigentlich vorgeschriebene Neuprüfung auf dem Markt.

 

Der Schutz der Menschen vor giftigen Substanzen ist in der EU nicht vorgesehen. Anders ist es nicht zu erklären, dass nach wie vor Hunderte gesundheitsgefährdende Stoffe auf dem Markt sind, die ungehindert eingesetzt werden können, um Pflanzen zu behandeln, die später als Lebensmittel in unseren Supermärkten landen. Tod auf Raten – mit dem Segen der EU.

 

„Diese Stoffe sind meines Erachtens überhaupt nicht mehr zulassungsfähig, weil sie extrem humantoxisch sind, für die Menschen giftig sind, und weil sie auch extrem toxisch für die Umwelt sind“, sagt der Toxikologe Hermann Kruse, der an der Universität Kiel jahrelang zu Pflanzenschutzmitteln geforscht hat. Manche der Stoffe seien „toxischer als Glyphosat“. Dabei handele es sich um Stoffe, „die das Nervensystem der Menschen angreifen und zum Teil auch im Verdacht stehen, krebserzeugend zu sein.“

 

Wer hätte das gedacht: Vor allem in der Bundesrepublik Deutschland sind die Defizite besonders groß, wenn es darum geht, die Bürger vor giftigen Substanzen zu schützen. In einem EU-Audit von 2016 wurde die Bundesrepublik dafür kritisiert, dass sie im Durchschnitt bis zu sechs Mal längere Bearbeitungszeiten für diverse Verfahren im Rahmen der Prüfung von Pflanzenschutzmitteln brauche als in der Verordnung maximal vorgesehen. Seit 2016 wurden 22 Stoffe in Zulassungsverfahren mit deutscher Beteiligung nur deshalb verlängert, weil die Behörden zu langsam prüften. Darunter befinden sich nach konservativer Einschätzung mindestens neun Stoffe, die laut Experten wegen ihrer Giftigkeit nicht mehr zugelassen werden dürften.